
Im 19. Jahrhundert werden jedes Frühjahr tausende Kinder aus armen Schweizer Bergregionen über die Grenze nach Süddeutschland geschickt. Man nennt sie „Schwabenkinder“. Für ihre Familien sind sie Hoffnung auf ein paar Münzen – für viele selbst bedeutet es Hunger, Fremdheit und harte Arbeit auf fremden Höfen.Alois wird in eine Welt geboren, die ihn von Anfang an verurteilt. Seine Mutter Anna trägt die Narben von Gewalt, gesellschaftlicher Ächtung und kirchlicher Doppelmoral. Ihr Sohn wächst als uneheliches Kind auf – geduldet, aber nie wirklich angenommen. Früh lernt er, dass Herkunft in seiner Zeit über Wert und Würde entscheidet.

Als er ins Schwabenland verdingt wird, beginnt für ihn ein Kampf ums Überleben. Zwischen körperlicher Arbeit, Demütigung und Einsamkeit reift in ihm etwas, das stärker ist als Angst: der Wille, sich nicht brechen zu lassen. Bildung wird für ihn zur Hoffnung, Wissen zur leisen Rebellion gegen eine Ordnung, die ihn klein halten will.Doch die Vergangenheit seiner Mutter und die Macht der Kirche werfen lange Schatten. Je weiter Alois seinen eigenen Weg geht, desto näher rückt die Frage, ob man seiner Geschichte entkommen kann – oder ob man ihr irgendwann gegenübertreten muss.Schwabenkind ist ein vielschichtiger historischer Roman über soziale Ungerechtigkeit, kirchliche Macht, Schuld und Selbstbestimmung. Er erzählt von einer Mutter, die trotz allem nicht aufgibt, und von einem Sohn, der lernt, dass Herkunft nicht Schicksal sein muss.