Oberegg, 1823. In einem armen Haus im Appenzellerland kommt Felix Hasler zur Welt – und verliert im selben Augenblick seine Mutter. Während sein Vater Jakob unter Trauer und harter Heimarbeit beinahe zerbricht, übernimmt die junge Elisabeth Verantwortung für die Familie. Sie kämpft um Milch für den Säugling, um Brot, Wärme und ein Stück Würde in einer Welt, in der Armut kein Unglück ist, sondern ein System. Felix wächst zwischen Stickrahmen, Hunger, Kirche und der Willkür mächtiger Männer auf. Die Heimarbeiter schuften bis zur Erschöpfung, doch die Gewinne fliessen nach St. Gallen, zu jenen Kaufleuten und Verlegern, die Preise diktieren, Fehler bestrafen und ganze Familien in Abhängigkeit halten. Wer widerspricht, verliert den nächsten Auftrag. Wer fragt, macht sich gefährlich. Doch Felix ist kein Junge, der schweigt. Er stellt Fragen, die niemand hören will: Warum bleibt arm, wer den ganzen Tag arbeitet? Warum besitzen einige wenige Macht über das Leben vieler? Und warum wird Ungerechtigkeit so oft als gottgewollte Ordnung verkauft? Als die Spannungen wachsen und sein Vater erneut mit dem Mut ringt, sich gegen die Ausbeutung zu stellen, beginnt Felix zu begreifen, dass Macht nicht nur in Geld und Ämtern liegt, sondern auch in Angst, Schweigen und Gehorsam. Aus dem neugierigen Kind wird ein junger Mensch, der die Fäden erkennt, an denen andere ziehen – und der eines Tages nicht mehr bereit sein wird, sich daran führen zu lassen. Die Fäden der Macht – Der Preis der Armut ist ein historischer Roman über Heimstickerei, soziale Abhängigkeit, familiäre Verantwortung und den unbequemen Weg eines Jungen, der in einer ungerechten Welt lernt, nicht wegzusehen.